Montag, 16. Januar 2012

Auf das richtige Lob kommt es an

Wer hätte das gedacht: Lob ist nicht gleich Lob! Na gut, das weiß ich nicht erst seit heute. Schon bei der Recherche zu meinem Buch „100 Dinge, die ein Vorschulkind können sollte“ ist mir das aufgefallen. Aber jetzt bin ich über eine Studie gestolpert, in der es um das Lob von Schülern geht.
Es ist nämlich keineswegs gleichgültig, wofür und in welcher Weise ein Kind oder Jugendlicher gelobt wird. Schon bei den Vorschulkindern ist es wichtig, dass sie für konkrete Dinge gelobt werden. Eltern sollten also nicht einfach sagen: „Das hast du aber schön gemalt!“ und das Bild nicht weiter beachten. Sie sollten genau hinschauen, was denn schön gemalt wurde und das herauspicken und loben.
Ein Kind, dem immer wieder gesagt wird, dass es schön malen kann, obwohl die Bilder fürchterlich sind, entwickelt ein falsches Bild von sich selbst und fällt tief, wenn es in der Schule dann plötzlich mit anderen verglichen wird. (Als mir das klar wurde, habe ich auch verstanden, wieso bei DSDS so viele junge Menschen in den ersten Runden auftreten, die keinen Ton treffen und fürchterlich singen. Einer hat es auch formuliert: „Meine Oma findet, dass ich sehr gut singe.“ Wenn ich Dieter Bohlen wäre, würde ich vermutlich sagen: „Hatte deine Oma denn ihr Hörgerät angestellt?“) Fazit: Man tut ein Kind also keinen Gefallen, wenn man es undifferenziert lobt. 
Jugendliche sind da noch pingeliger. Sie sind u. U. gekränkt, wenn man sie für Dinge lobt, die ihnen einfach vorkommen. Als Eindruck bleibt hängen: „Die traut mir wohl nicht mehr zu als diese leichten Aufgaben.“ Da heißt es als Eltern und Lehrer genau hinzuschauen, was jemand leisten kann und ob er sich anstrengen musste, um das Ergebnis zu erreichen.
Doch nun wird es richtig kompliziert. In einer Studie hat man nämlich herausgefunden, dass Schüler sich weniger Mühe geben, wenn sie mit dem Argument „Deine Lehrer sind sicher stolz auf dich!“ gelobt wurden. Vor allem, wenn andere Jugendliche dabei sind, geht das gar nicht. Das führt u. U. dazu, dass die Schüler sich weniger anstrengen und ihr Licht bewusst unter den Scheffel stellen. Damit ein Lob wirkt, ist es wichtig, dass Schüler das Gefühl haben, sie hätten die Leistung aus eigenem Antrieb geschafft.
Das klingt kompliziert? Ist aber nichts gegen den Einfluss des Geschlechts auf das Lob. Jungen, die in einem typischen „Jungenfach“ wie Physik gelobt wurden und denen außerdem gesagt wurde, dass sie ja typische Jungs wären, waren anschließend motiviert, noch mehr zu lernen. Aber: Mädchen, denen gesagt wurde, sie hätten in Physik gute Leistungen gebracht, obwohl das ein „Jungenfach“ wäre, fühlten sich davon gar nicht angesprochen.
Da kann ich nur sagen: Hut ab vor den Lehrerinnen und Lehrern, die das Lob richtig dosieren und formulieren. Und natürlich auch vor den Eltern, die das hinkriegen ;-)

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