In den nächsten Wochen ist es wieder soweit: Die Zwischenzeugnisse zeigen schwarz auf weiß, wie es um die Leistungen der Schüler steht und in manch einer Familie wird über das "schlechte" geklagt. Grund genug, einmal danach zu fragen, was eigentlich ein "schlechtes" Zeugnis ist?
"Schlecht" ist relativ. Natürlich gibt es Noten von 1 bis 6 und 6 ist schlechter als 1, das ist keine Frage. Aber, was für den einzelnen Schüler schlecht ist, muss genau angeschaut werden.
Für manche Schüler, die sich in mehreren Fächern von einer 4 oder 5 auf eine 3 oder 4 hochgearbeitet haben, ist das ein gutes Zeugnis. Das heißt, bei den Noten sollten unbedingt auch die Rahmenbedingungen betrachtet werden. Gab es besondere Ereignisse im letzten Schuljahr? Wie ist der Klassendurchschnitt in der Klasse? Ist bekannt, dass der Lehrer besonders hohe Ansprüche stellt?
Vor allem den Großeltern muss möglicherweise erklärt werden, dass ein Schüler nur eine 4 bekommen hat, obwohl er viel gelernt hat, während einem anderen alles zufliegt und er ohne großen Aufwand eine 2 bekommt. Ich habe mich selbst als Schülerin immer sehr über die finanziellen Belohnungen für ein Zeugnis gefreut – bei uns gab es für jede 2 eine D-Mark, das war damals viel Geld und ich war nach der Zeugnisvergabe für meine und damalige Verhältnisse vermögend. Meiner Schwester ging es anders, obwohl sie vermutlich mehr gelernt hat als ich. Heute weiß ich, wie ungerecht diese Noten-Bezahlung ist. Wie wäre es damit, Notenverbesserungen zu belohnen? Das spornt wirklich an – auch die ohnehin guten Schüler. Entscheidend ist, dass die echte Leistung in den Blick genommen wird.
Übrigens: Motivationsforscher halten gar nichts von solchen „externen“ Motivationen, weil Schülern damit abtrainiert wird, für sich selbst zu lernen. Was meinen Sie?

Ich halte auch nichts von den Belohnungen für Noten! Ich habe auch nie etwas für meine Noten bekommen und war sehr überrascht, dass es Mitschüler und Freunde gab, die mit ihren Noten Geld "verdient" haben. ;)
AntwortenLöschenIch sehe es genau so wie die Motivationsforscher! Es wird dann nur noch für das Geld gelernt und nicht mehr für sich selbst. Die beste Belohnung für einen selbst ist doch die gute Note ansich, da braucht man kein Geld. Aber das ist nur meine Meinung und ich weiß, dass es da viele andere Meinungen gibt.
Zu den Zeugnisnoten: Ich habe gerade gestern ein Portfolio für ein Uni-Seminar erstellt, in dem es genau um dieses Thema ging. Ich bin der Meinung, dass die Leistungsbeurteilung sehr individuell erfolgt und somit von Lehrer zu Lehrer absolut unterschiedlich ausfällt. Das sieht man doch sehr oft wenn ein Lehrerwechsel stattfindet. Plötzlich schnellen die Noten in die Höhe oder der Klassendurchschnitt geht extrem nach unten.
Viele Grüße,
Sandra Koch
Man ist ja auch selbst traurig über eine schlechte Zeugnisnote, und wenn man dann noch sieht, dass die Geschwister Geld zugesteckt bekommen, und man selbst gerade mal ein kleines Zubrot verdient hat, ist man doppelt bestraft.
AntwortenLöschenGruß Annette
Also meine Kinder bekommen Geld für gute Noten, aber für das Gesamtpaket Zeugnis unter Berücksichtigung der eigenen persönlichen Entwicklung. Zwischendurch wird aufgrund der persönlichen Anstrengungen und Erfolge einfach mal ein Extra-Wunsch erfüllt. Das muss nichts Teures sein, ein paar neue Haarspangen, neue lustige Socken, eben etwas was den Kindern ins Auge fällt und wo man normalerweise nein sagen würde. Nach meiner Ansicht ist dies aber dann nicht die Motivation der Kinder für gute Noten, denn Sie können das nicht einfordern, es wird spontan von mir (aber gerecht für beide) erfüllt. Die Kinder stehen in der Schule unter einem nicht zu vernachlässigendem Druck, hier gute Noten für die Empfehlung, dort für den guten Schnitt und natürlich in Konkurrenz zu den anderen. Da kann und sollte man ruhig mal etwas extra tun, als kleine Anerkennung dafür, das sie sich anstrengen. Ein gemeinsames Kinoerlebnis oder Schwimmbadbesuch, es gibt so viel was sich Kinder wünschen, was Ihnen Spass macht und wo man alle belohnt auch die Eltern!!!!Denn wir haben sicherlich auch einen kleinen Anteil daran!!!LG Barbara
AntwortenLöschenLiebe Barbara, genau, Eltern haben sich auch eine Belohnung für die Noten verdient, es gbt sogar ein Buch, das ich dann demnächst auch endlich rezensieren kann: "Bei schlechten Noten helfen gute Eltern" (Christoph Eichhorn), indem eine Studie zitiert wurde, die nachgewiesen hat, dass die Erwartungen und Verhaltensweisen der Eltern einen großen Einfluss auf die Noten haben. Du hast dir den Kinobesuch also auch verdient :-) LG Birgit
AntwortenLöschenLiebe Birgit, das hört sich ja interessant an, ich bin gespannt auf die Rezension und vielleicht das Buch, je nachdem. Dann werde ich uns mal belohnen, bei uns gibt es nämlich am Freitag schon die Zeugnisse und es sieht richtig gut aus für uns :-) Barbara
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