Sonntag, 12. Mai 2013

Lernen am lebenden Objekt - im Garten zum Beispiel

Als ich gestern mit der Kamera unterwegs war, sah ich einige Menschen im Garten werkeln. Das hat mich an das eigene Blumenbeet erinnert, das ich in meiner Kindheit hatte und auf dem ich pflanzen durfte, was ich wollte. Gibt es das heute eigentlich noch?
Bei mir hat das Blumenbeet nicht unbedingt dafür gesorgt, dass ich ohne ein Blumenbeet nicht leben kann, das gebe ich zu. Aber ich habe als Kind doch nebenbei gelernt, welche Blumenarten es gibt, dass die Blumen unterschiedliche Anforderungen an einen Gärtner oder eine Gärtnerin stellen, dass es wichtig ist, Blumen regelmäßig zu gießen, weil sonst nichts wächst … Letztlich baute ich im Garten nebenbei ein Grundwissen auf, das ich in der Schule immer mal wieder einbringen konnte. Unabhängig vom Schulstoff lernt man beim Gärtnern Ausdauer und Sorgfalt, Konzentration und logisches Denken.

Blumenbeete gibt es übrigens nicht nur im Garten, sie können auch auf einem Balkon, ja sogar in der Wohnung auf dem Fensterbrett angelegt werden. Erinnert ihr euch noch an die Erbse im Wattebett, die ihr in der Grundschule anlegen musstet. Oder gab es das nur zu meiner Grundschulzeit oder nur im Münsterland? Ich fand es damals faszinierend, wie aus einer ganz normalen Erbse plötzlich kleine grüne Blättchen sprossen. Ich habe im Internet keine Anleitung für Erbsen gefunden, sondern nur für Kresse. 
Wie wäre es, wenn Sie mit den Kindern ein kleines Wachstumstagebuch anlegt, vielleicht sogar noch jeden Tag zur gleichen Zeit ein Foto mit der Digitalkamera machen. Auf diese Weise bekommen Ihre Kinder gleichzeitig ein Gespür dafür, wie schnell oder langsam Zeit vergeht und, dass manche Dinge Zeit brauchen, bis sie fertig sind. In unserer schnelllebigen, medienbestimmten Zeit entsteht ja oft der Eindruck, alles muss von jetzt auf gleich, von heute auf morgen funktionieren. Da ist es gut, wenn Kinder erleben, dass Dinge Zeit brauchen und sich entwickeln.